Martin Schoeller

 

Martin Schoeller (*1968 in München) zählt zu den bekanntesten und renommiertesten Porträtfotografen der Welt. Nachdem er Fotografie am renommierten Lette Verein in Berlin und in Hamburg studierte, zog er Mitte der 1990er Jahre nach New York, wo er als Assistent von Annie Leibovitz arbeitete und anschließend seine Karriere begann. Martin Schoeller arbeitet regelmäßig für Zeitschriften wie »National Geographic«, »The New Yorker« und das »Time Magazine«.

Weltweite Bekanntheit erhielt er durch seine langjährige und weiterhin fortlaufende Serie »Close Up«, die dem künstlerischen Konzept unterliegt, seine Models – ungeachtet verschiedener sozialer und kultureller Hintergründe – gleichrangig darzustellen. Somit lädt er auf »demokratische Art« zu einem Vergleich von Porträts ein, für die berühmte Persönlichkeiten wie Angela Merkel, Barack Obama, Bill Gates, Anne Hathaway, Kobe Bryant, Udo Lindenberg und Adele mit derselben Technik und demselben Licht fotografiert werden wie unbekannte Personen.

Die Ästhetik der Arbeiten aus der Serie hat einen hohen Wiedererkennungswert. Martin Schoellers Fotografien, die in exklusiven Editionen erhältlich sind, sind auf dem Kunstmarkt sehr gefragt und werden weltweit in Museen und anderen Kunsteinrichtungen ausgestellt.

28.02.–13.09.2020: Retrospektive im NRW-Forum in Düsseldorf

CAMERA WORK ist Martin Schoellers exklusive Galerie und vertritt ihn seit 2005 – dem Jahr seiner ersten internationalen Ausstellung in der Galerie CAMERA WORK.

Ausstellungen

2020 · CAMERA WORK (Berlin)
2020 · NRW-Forum (Düsseldorf)
2020 · Zeche Zollverein (Essen)
2018 · CWC GALLERY (Berlin)
2018 · Nederlands Fotomuseum (Rotterdam)
2015 · Fotografiska (Stockholm)
2014 · CWC GALLERY (Berlin)
2013 · EMP Museum (Seattle)
2012 · Naples MoA (Naples)
2011 · Museum THE KENNEDYS (Berlin)
2005 · CAMERA WORK (Berlin)

Exklusivinterview (April 2020)

Du lebst seit mehr als 25 Jahren in New York. Hast Du die Stadt schon jemals in einem solchen Ausnahmezustand gesehen?
Nein, ich denke, das geht uns allen so – unabhängig davon, wo man wohnt.

Wie erlebst Du aktuell die Stadt?
Meine Familie und ich sind vor knapp einem Monat aus New York in unser Haus außerhalb der Stadt »geflohen«. Wir sind über diese Möglichkeit natürlich sehr froh. Die meisten können das nicht. Sich in dieser Zeit überhaupt mal draußen frei zu bewegen, schätzen wir sehr und wir genießen diese Ablenkung.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Deine Arbeit aus Fotograf?
Alle meine vorab fest gebuchten Termine wurden natürlich sofort abgesagt. Und mein Studio musste vorübergehend geschlossen werden. Mein Team arbeitet von zu Hause an einem neuen Buch. Und ich habe mal Zeit, an meinem Haus eine neue Terrasse zu bauen und etwas Gartenarbeit zu machen.

Du arbeitest regelmäßig für Magazine wie »Time«. Auch für diese Zeitschriften machst Du derzeit keine Porträts?
Den Magazinen geht es vor allem jetzt noch schlechter als zuvor. Die wunderbaren Zeiten mit großen Budgets, um aufwendige Produktionen zu machen, sind leider schon lange vorbei.

Deine berühmte »Close Up«-Serie führst Du weiterhin fort – und das schon seit mehr als 25 Jahren. Was hat sich in dieser Zeit vor allem in der Zusammenarbeit mit führenden Persönlichkeiten verändert?
Es ist nach wie vor so, dass sich berühmte Menschen immer mehr um ihr Bild in der Öffentlichkeit sorgen und ihre PR-Agenten den kompletten künstlerischen und kreativen Prozess mitbestimmen und lenken wollen. Früher erschienen sie in einem Magazin und sind danach wieder verschwunden. Heute verweilen die Bilder für immer online.

Die »Close Up«-Serie wird in der Kunst als historisch einzigartige Serie angesehen. Sie dokumentiert die führenden Persönlichkeiten der Geschichte. Wie wird sie in 100 Jahren bewertet?
Es ist natürlich schön, wenn die Menschen auch in 100 Jahren noch eine Relevanz in der Arbeit sehen – aber ich werde das wohl nicht mehr miterleben.

Die »Close Up«-Porträts sind sehr direkt, viele sagen »ehrlich«. Wie reagieren Celebrities, wenn sie das Bild sehen?
In den meisten Fällen bekomme ich das gar nicht mit, da sie die Bilder erst fertig im Magazin sehen. Ich fotografiere die »Close Up«-Porträts ja auf Film und nicht digital. So können sie auch nichts sehen.

Hast Du bestimmte »Close Up«-Porträts, die Dir besonders gefallen?
Das ist sehr schwer zu sagen. Es sind ja mittlerweile sehr viele und meine Meinung ändert sich auch von Zeit zu Zeit.

Die »Close Up«-Serie umfasst Schauspieler, Popstars, Spitzensportler, obdachlose Menschen und Politiker. Wo liegt der Hauptunterschied in der Arbeit mit ihnen?
Die Arbeit mit Schauspielern ist die größte Herausforderung, wenn es um ein »Close Up« geht. Sie sind sich ihrer Mimik sehr bewusst und steuern ständig ihren Ausdruck vor der Kamera. Bei Popstars hingegen ist es etwas einfacher und bei Sportlern am leichtesten: Sie schauen fast nie in den Spiegel. Sie kümmern sich meist nur darum, Rekorde zu brechen und damit erfolgreich zu sein. Politiker wiederum können tricky sein. Sie haben ein paar einstudierte Posen und Mimiken und relaxen dazwischen nur kurz. Die Arbeit mit Obdachlosen aber ist der größte Lohn meiner Arbeit. Ihre bewegenden Geschichten werden mich mein Leben lang begleiten.

Die obdachlosen Menschen hast Du ironischer Weise in Hollywood porträtiert. Bist Du noch mit ihnen in Kontakt?
Eine Hilfseinrichtung, die die Menschen mit Essen versorgt, ist immer noch meine Verbindung zu den obdachlosen Menschen dort. Sie hören auch in Zeiten von Corona nicht auf zu arbeiten und versorgen sie täglich mit frischem Essen. Die Arbeit ist auch jetzt von großer Bedeutung, da das Coronavirus sich unter Obdachlosen aufgrund der Lebensumstände schneller verbreiten kann.

Im Frühjahr warst Du für zwei Museumsausstellungen von Dir in Deutschland. Was macht sie besonders für Dich?
Die »Survivors«-Ausstellung im Zeche Zollverein in Essen zeigt ein sehr persönliches Projekt von mir, mit dem ich viele Emotionen verbinde. Die Räumlichkeiten passen perfekt zur Serie. Die dunklen Wände voller Charakter passen schön zu den Gesichtern, die ein Leben erzählen. Während der NS-Zeit mussten in der Gegend Gefangene arbeiten, was die Ausstellung auch besonders macht. Diese 75 Holocaust-Überlebenden zu porträtieren was sehr bewegend und auch traurig. Aber am meisten war ich erstaunt über ihre Lebensgeschichten und was sie an ihrem Leben schätzen.

In Deiner Retrospektive im NRW-Forum in Düsseldorf wird auch »Jay-Z with Cat« gezeigt. Was ist die Geschichte hinter dem skurrilen Bild?
Ich habe die Fotografie im Stadtteil Little Italy in Manhattan inszeniert. Die Bar ist eine der ältesten der Stadt und war früher ein beliebter Treffpunkt für italienische Familien aus dem organisierten Verbrechen. Jay-Z erzählt immer so viel davon, was für ein »Bad Ass Hamster« er sei, dass ich die Bar für die Inszenierung für geeignet hielt. Die Katze gehörte einem Freund von mir.

Im Jahr 2005 hattest Du Deine erste internationale Ausstellung in der Galerie CAMERA WORK. Heute sind Deine Werke in Museen zu sehen und erzielen auf Kunstauktionen Ergebnisse von bis zu $50.000. Wie rekapitulierst Du diese Zeit?
Es ist einfach nur verrückt.

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