Richard Avedon

Richard Avedon

Richard Avedon (1923–2004) wurde in New York City geboren und lebte dort. Sein Interesse an der Fotografie wuchs schon früh, und im Alter von zwölf Jahren trat er dem Fotoclub der Young Men’s Hebrew Association (YMHA) bei. Er besuchte die DeWitt Clinton High School in der Bronx, wo er gemeinsam mit James Baldwin die Schulzeitschrift »The Magpie« herausgab. 1941 wurde er zum Poet Laureate der New Yorker High Schools ernannt.

Avedon trat 1942 während des Zweiten Weltkriegs in die Streitkräfte ein und diente als Photographer’s Mate Second Class in der US-Handelsmarine. Wie er es beschrieb: »Meine Aufgabe war es, Passfotos zu machen. Ich muss wohl hunderttausend Gesichter fotografiert haben, bevor mir klar wurde, dass ich Fotograf wurde.«

Nach zwei Jahren Dienst verließ er die Handelsmarine, um als professioneller Fotograf zu arbeiten. Zunächst schuf er Modefotos und studierte bei Art Director Alexey Brodovitch am Design Laboratory der New School for Social Research.

Im Alter von zweiundzwanzig Jahren begann Avedon als freiberuflicher Fotograf zu arbeiten, vor allem für Harper’s Bazaar. Da ihm das Magazin zunächst die Nutzung eines Studios verwehrte, fotografierte er Models und Mode auf der Straße, in Nachtclubs, im Zirkus, am Strand und an anderen ungewöhnlichen Orten, wobei er sein unerschöpfliches Einfallsreichtum und seine Kreativität einsetzte, die zu einer Einmaligkeit seiner Kunst wurden. Unter Brodovitchs Anleitung wurde er schnell zum Chef-Fotografen von Harper’s Bazaar. (…)

Avedon betrieb während seiner gesamten Schaffenszeit ein erfolgreiches Werbefotostudio und gilt weithin als derjenige, der die Grenze zwischen Kunstfotografie und Werbefotografie aufgehoben hat. Seine markenprägenden Arbeiten und seine langjährige Zusammenarbeit mit Calvin Klein, Revlon, Versace und Dutzenden anderer Unternehmen führten zu einigen der bekanntesten Werbekampagnen der amerikanischen Geschichte. Diese Kampagnen verschafften Avedon die Freiheit, große Projekte zu verfolgen, in denen er seinen kulturellen, politischen und persönlichen Leidenschaften nachging. Bekannt ist er für seine ausführlichen Porträtserien zur amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, zum Vietnamkrieg und für einen gefeierten Fotocyclus über seinen Vater, Jacob Israel Avedon. 1976 produzierte er für das Magazin Rolling Stone The Family, ein kollektives Porträt der amerikanischen Machtelite zur Zeit der Wahlen zum 200-jährigen Jubiläum des Landes. Von 1979 bis 1985 arbeitete er intensiv an einem Auftrag des Amon Carter Museum of American Art und schuf schließlich die Ausstellung und das Buch In the American West.

Avedons erste museale Retrospektive fand 1962 in der Smithsonian Institution statt. Es folgten zahlreiche bedeutende Museumsausstellungen, darunter zwei im Metropolitan Museum of Art (1978 und 2002), im Minneapolis Institute of Arts (1970), im Amon Carter Museum of American Art (1985) und im Whitney Museum of American Art (1994). Sein erster Fotoband, Observations, mit einem Essay von Truman Capote, erschien 1959. Er veröffentlichte zeitlebens immer wieder Bücher mit seinen Werken, darunter Nothing Personal im Jahr 1964 (mit einem Essay von James Baldwin), Portraits 1947–1977 (1978, mit einem Essay von Harold Rosenberg), An Autobiography (1993), Evidence 1944–1994 (1994, mit Essays von Jane Livingston und Adam Gopnik) und The Sixties (1999, mit Interviews von Doon Arbus).

Text von The Richard Avedon Foundation.

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