Sebastian Copeland

 

Sebastian Copeland (*1964) begann seine Kariere in New York, wo er als Regisseur von Musikvideos arbeitete. Anschließend war er als Produzent und Fotograf für viele Fashion-Brands und bekannte Persönlichkeiten tätig. Seit 1999 gilt sein Fokus dem Klimawandel und dessen Folgen. Dabei benutzt er die bildenden Künste als Werkzeug, um den Zugang der Gesellschaft für das Thema zu öffnen. Darüber hinaus arbeitet Sebastian Copeland mit Global Green USA zusammen, dessen Vorstandsmitglied er ist. Seine Leidenschaft für das Bergsteigen und die Fähigkeiten als Extremsportler ermöglichen es Sebastian Copeland, gefährliche und schwierige Expeditionen umzusetzen und die Fotografie als künstlerisches Mittel für den aktiven Umweltschutz zu verwenden. Mit seiner Expertise ist Sebastian Copeland als Redner bei vielen Institutionen und Vereinen zu Gast. So hat er u.a. bereits für die UNO, bei der Pariser Klimakonferenz (2015), im Google Headquarter und im George Eastman House sowie in vielen TV- und Radiosendungen über die (geopolitischen) Gefahren des Klimawandels gesprochen. Im Jahr 2018 wurde Sebastian Copeland für seine Arbeit der renommierte Preis Bambi verliehen. Die Werke von Sebastian Copeland werden weltweit in Museen, Galerien und anderen Kunstinstitutionen ausgestellt und befinden sich in weltweit renommierten Kunstsammlungen.

Sebastian Copeland wurde mit dem International Photography Award und Tokyo International Foto Award als bester Fotograf ausgezeichnet (2020/21). Nach seiner Ausstellung in der Galerie CAMERA WORK im Jahr 2018 erhielt er einen Bambi für seine Leistung als Polarforscher und Fotokünstler in der Kategorie »Unsere Erde«. Sein preisgekröntes Buch »Antarctica: The Waking Giant« erschien 2020 im Rizzoli-Verlag.

Ausstellungen

2018 · CAMERA WORK (Berlin)
2018 · Gates of the Luxembourg (Paris)

CAMERA WORK TALKS (Mai 2020)

Du lebst in München, wo nach vielen Wochen langsam ein Stück Alltag zurückkehrt. Wie geht es Dir und Deiner Familie?
Der Hauptunterschied für mich in diesen Tagen ist, dass ich meinen Koffer gegen einen Pädagogen-Hut eingetauscht habe, für unsere 3- und 5-jährigen Mädchen. Ohne Frage habe ich nun einen erhöhten Respekt vor Pädagogen bekommen! Es ist toll, aber selbst in Teilzeit ist man voll im Gang. Zum Glück sind alle um uns herum gesund. Wir teilen die kostbaren Familienzeiten, so dass uns die schlimmste Verzweiflung bisher erspart geblieben ist, auch wenn die bezahlte  Arbeit praktisch zusammengebrochen ist.

Du hast viele Jahre in Los Angeles gelebt und kennst sowohl die deutsche als auch die amerikanische Kultur und Politik. Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Unterschiede im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie?
Diese Krise hätte die kulturellen und politischen Unterschiede, die die USA und Deutschland voneinander trennen, nicht besser aufdecken können. Trotz ähnlicher Wirtschaftsphilosophien unterscheiden sich die beiden Länder in Bezug auf die soziale Verantwortung weitgehend. Dies lässt sich leicht auf ihre jeweilige Geschichte und nationale Identität zurückführen. Deutschland, in der christlichen Moral verwurzelt, hält traditionell eine hohe Stellung aufrecht für die bürgerliche Pflicht und soziale Verantwortung.

Zudem führten die Entbehrungen der Nachkriegszeit zu einer individuellen Bescheidenheit – ähnlich wie in der japanischen Kultur – die gleichzeitig den wirtschaftlichen Bestrebungen gegenübersteht, jedoch befreit ist von der finanziellen Last des industriellen Militärapparates. Höhere Steuern und Sozialleistungen im Interesse der Gesellschaft bereiten das Land besser auf mögliche Einbrüche wie diese Pandemie vor.

Im Gegensatz dazu ist die US-amerikanische Gesellschaft berechnender: Jeder Dollar wird um die höchstmögliche Nettorendite verspielt. Lebensqualität ist das Produkt, das von der Keynesianischen Ökonomie und dem Friedman Konsum vermarktet wird, basierend auf dem potentiellen und nicht dem tatsächlichen Wert, und durch Steuersenkungen. Dieser Ansatz verfolgt schnelle Investitionen und belohnt die Kreditaufnahme. Dabei sind aber alle Wetten auf Schwarz gesetzt. Steht jedoch das Rad auf Rot, können die Wetten platzen. Weit daneben. Mit einer Staatsverschuldung von annähernd 25 Billionen Dollar ist es immer verlockend, das Budget zu kürzen. Die Pandemiebekämpfung ist dabei eine niedrig hängende Frucht bis die Tragödie zuschlägt.

Bereitschaftsplanung ist keine exakte Wissenschaft und sie ist nicht sexy. Aber wenn sie gebraucht wird, ermöglicht diese zielgerichtete Disziplin eine schnelle Reaktion, wie im Falle Deutschlands. Die USA werden aufgrund ihrer Kultur mehr leiden als viele andere Erste-Welt-Nationen.

In diesen Tagen wären wir eigentlich in London und hätten auf der Photo London »Iceberg XVIII« von Dir ausgestellt. Die Messe wurde bekanntlich verschoben. Was aber ist Deine persönliche Verbindung zu diesem besonderen Werk?
»Iceberg XVIII« bedeutet mir sehr viel. Ich habe diesen Eisberg und die zugehörige Serie 2010 in Nordgrönland aufgenommen, nach einer 2300 km langen Durchquerung des Kontinents.
Die Serie beschreibt einen Moment, der so leicht hätte nicht passieren können. Aber daraus ist etwas entstanden, was ich als eine meiner besten Arbeiten bezeichne. Nach 42 Tagen, die wir in einem Zelt geschlafen haben, erreichten mein Partner und ich die nördliche Küste Grönlands. Wir wurden von einem Militärhubschrauber abgeholt und in einem sehr kleinen, nahegelegenen Inuit-Dorf abgesetzt, wo wir auf ein Flugzeug warteten, dass uns in 5 Tagen abholen sollte. Dennoch hatten wir in diesem kleinen Dorf Zugang zu einem Bett und einer Dusche, was eine willkommene Erleichterung war nach der weißen Eintönigkeit des Eises. Aber als ich meine Taschen fallen ließ, warf ich einen Blick auf die gefrorene Bucht, die das Dorf beherrschte. Es waren riesige Eisberge zu sehen, die vom Winterfrost eingeschlossen waren und kurz davorstanden, mit dem Einsetzen der Sommerschmelze ins Meer freigelassen zu werden. Das Meereis war immer noch vorherrschend, doch ich wusste, durch das Schmelzen der Oberfläche, und den vereinzelten Eisspalten, würden sich wunderschöne Reflexionen ergeben. Erst war ich versucht, meinem Partner zu folgen um mich zu vergraben in dem moderaten Komfort unserer neuen Unterkunft. Aber es war bedeckt und die Wolken sind der Schlüssel dafür, dass die Blautöne in dem alten Eis sichtbar werden. Deshalb schnappte ich mir meine Kameras und machte mich auf den Weg. Seit 36 Stunden hatte ich nicht geschlafen und nach noch einmal 8 Stunden des Herumziehens, durch die unermessliche Weite der gefrorenen Bucht, kehrte ich ins Dorf zurück für die dringend benötigte Erholung.

Dieses Erlebnis war umso schöner, denn als ich am nächsten Tag aufwachte, hatten sich die Wolken aufgelöst. Wir hatten einen blauen Glockenhimmel über uns und eine dicke Nebelschicht über der Bucht – schreckliche Bedingungen um gute Fotos zu machen. Dieses Wetter, das, wie ich herausfand, die Regel für diese Jahreszeit ist, herrschte jeden Tag bis das Flugzeug uns abholte. Das war mein Carpe DiemMoment: Ergreife es, solange es noch da ist!

Du hast einmal gesagt: »Ich bin ein Mann des Eises«. Woher kommen Deine Liebe und Dein tiefes Verständnis für die kältesten Regionen der Erde?
Die Geschichten vom Eis haben einen Träumer aus meinem jungen Ich gemacht. Als Kind habe ich Jack London gelesen und die Berichte und Biographien von Bergsteigern und Polarforschern. Das war in den frühen 70er Jahren, während die Polarforschung nach einer langen Zeit der Stille wieder aufzuleben begann – offiziell wurde der Nordpol 1968 zum ersten Mal auf dem Landweg erreicht. Seit frühester Kindheit träumte ich dann davon, ein Entdecker zu werden. Das Abenteuer wurde durch die Neugierde angeheizt und da meine Großeltern in Swasiland lebten, verbrachte ich einige Zeit in Südafrika wo ich mit 12 Jahren auf meine ersten Safaris ging. Ich hatte eine kleine Kodak-Kamera und fand, dass sie mehr gesagt hat, als ich es konnte. Auf dem College hatte ich Politikwissenschaft studiert und teilte mir meine Zeit noch zwischen Naturgeschichte und bildender Kunst. Meine Lieblingskurse waren Astrologie und Gletscherkunde, aber ich hatte eine natürliche Vorliebe für die Fotografie. So hatte ich das Glück, noch während des Studiums lukrative kommerzielle Shooting-Aufträge zu bekommen. Statt ein weiteres Studium anzustreben, bin ich einige Jahre lang diesen Weg gegangen, habe aber immer, wenn es mir möglich war, Abenteuerreisen unternommen, die ich mit meinen Jobs finanzierte.

Es war für mich immer die Natur. Beeinflusste haben mich dabei die Transzententalisten wie Emerson und Thoreau. „Die Hochzeit der Seele mit der Natur macht den Verstand fruchtbar und erzeugt die Fantasie“ sagte Thoreau. In den späten 90er Jahren gewann die Klimaforschung an Boden. Meine Kamera wurde sowohl zu einem Kompass als auch zu einer Waffe. Als ich weitere Extremsituationen bezwang, fand ich im Eis meinen richtigen Platz. Es gefiel mir, das Eis zu studieren, sowohl visuell als auch wissenschaftlich.

In fast allen Werken von Dir findet sich eine schier unendliche Palette warmer blauer, magischer Töne. Woher kommt das Blau?
Die Dominanz des Blaus, die in einigen Eisbergen zu sehen ist, kommt von der Verdrängung des Rotwertes aus seinem Farbprisma. Im Gegensatz zur Luft, die aus Rot, Grün und Blau besteht, enthält Wasser nur Blau- und Grüntöne (dies erklärt, warum die menschliche Haut unter Wasser so blass aussieht). Eis entsteht durch die Ansammlung von Schnee (Luft und H2O), der sich komprimiert und verhärtet. Altes Eis ist auf seiner Reise über Jahrtausende hinweg einem so starken Dauerdruck ausgesetzt, dass es einen Großteil der Luft herauspresst. Wenn Eisberge in den Ozean tauchen, sind sie meist Wasser in gefrorener Form, was ihre blaue Farbe erklärt. Je älter das Eis ist, desto blauer ist es. Aber die Sonne kann den feinen Farbton überstrahlen. Die Farbtemperatur wird in Kelvin gemessen. Je heißer das Licht, desto höher das Kelvin. Bedecktes Licht hingegen hat eine niedrige Temperatur, die das Blau verstärkt – man denke an den frühen Abend, wenn die Sonne untergegangen ist. Für mein Empfinden ist Eis eigentlich nur dann eine Aufnahme wert, wenn die richtigen Bedingungen durch geringe Kelvin-Werte gegeben sind und das Einsetzen der Frühlingsschmelze die Reflexionen optimiert. Der Frühling bringt in diesen Breitengraden 24 Stunden Tageslicht mit sich, in Abhängigkeit von der Wolkendecke. Das ist ein kleines Zeitfenster, dass leicht verpasst werden kann. Dennoch, der Lohn dafür ist den Preis wert.

Die Arbeit »Iceberg IX (The Cube)« zeigt einen riesigen Eisberg, der so mächtig aussieht, dass er allen Umwelteinflüssen zu trotzen scheint. Wird er noch da sein, wenn Du wieder nach Grönland reist?
Nein, ganz sicher nicht. In den Polarregionen ist nichts statisch. Und wenn ein Eisberg entsteht, ist es ein Countdown bis zu seiner letzten Schmelzphase. Im Gegensatz zu Stein ist Eis nicht leblos. Wie wir hat es einen Lebenszyklus: es wird geboren, es wandert, es interagiert und stirbt schließlich. Die letzte Phase wird durch den Frühling eingeleitet, und je nach Größe des Eisbergs kann es eine oder mehrere Jahreszeiten dauern, bis sie abgeschlossen ist. Mit jeder Schmelzperiode beginnt der Eisberg zu erodieren und seine Form dadurch zu verändern. Im Winter wird er wahrscheinlich im Meereis der Küste eingeschlossen und überwintern bis die Frühjahrsschmelze ihn ins Meer entlässt, wo er seine Reise fortsetzen und an Masse verlieren wird. Eisberge zu fotografieren ist wie das Fotografieren einer Erinnerung an die Zeit.Ich sehe sie gern als Individuen. Daher ist das für mich eher wie Porträtfotografie, was ich beruflich viel gemacht habe, als das es Naturfotografie ist.

In den letzten Jahren haben mehrere Bewegungen dazu beigetragen, das Umweltbewusstsein in der öffentlichen Wahrnehmung zu stärken. Welchen Einfluss haben Deine Bemühungen und Kunstwerke in diesem Prozess?
Gerhard Richter hat einmal gesagt: „Kunst ist die höchste Form von Hoffnung“. Ihre primäre Aufgabe ist es, Emotionen zu erzeugen. Und eine effektive Klimadiskussion braucht dieses Register an Gefühlen. Der Kampf um die Herzen und Köpfe lässt sich nicht mit nur einer einzigen Strategie gewinnen, die auf den Untergang ausgerichtet ist. Wir müssen eine Verbindung zu diesem Thema herstellen. Wie Carl Sagan zu sagen pflegte, ist dies ein „Alle Mann an Deck“ Moment in der Geschichte unseres Planeten. Es braucht jedes nur erdenkliche Werkzeug in der Kiste. Die Klimaforschung ist akademisch und abstrakt. Das ist kritisch und kann zu Distanz und fehlender Dringlichkeit führen. Die Naturfotografie ist Kunst mit einem Zweck: Sie überbrückt die Kluft zwischen Wissenschaft und Emotionen. Was im Herzen beginnt, sollte den Verstand auf Aktion programmieren. Wir müssen investieren um zu helfen. Eine kalte, polare Umgebung kann sich sehr entfernt und fremd anfühlen. Ich sehe meine Arbeit als einen Türöffner der Menschen hilft, sich in ihre Welt zu verlieben. Ihre Schönheit zu würdigen ist eine Möglichkeit, die Betrachter dazu einzuladen, mehr dafür zu tun um sie zu schützen.

Im Gegensatz zu rein dokumentarischen Ansätzen sind Deine Fotografien von Eisbergen äußerst ästhetisch und haben einen hohen Grad an Ikonografie. Was ist der Vorteil dieses Ansatzes, wenn es darum geht, die Menschen über den Klimawandel nachdenken zu lassen?
Ich versuche, das Eis zu personalisieren und arbeite daran, nicht nur die Umwelt zu dokumentieren. Vor allem Eisberge haben eine unverwechselbare persönliche Charakteristik. Ihr Alter, ihr Ursprung, ihre Schmelzphase; all dies macht sie einzigartig und es ist faszinierend sie zu studieren. Aber eine primäre Herausforderung der Polarregionen ist die Abgeschiedenheit und dies bedeutet oft eine Abhängigkeit von Reiseagenturen und regulierten Versicherungsprotokollen. Die Interaktion der meisten Menschen mit dem Polareis erfolgt über Schiffe und Touren. Naturfotografie ist per Definition jedoch durchdacht und überlegt. Sie erfordert Geduld und Zeit, wie eine Meditation. Und mit der Fotografie ist es wie mit den meisten Dingen im Leben, 95 % des Erfolges macht der Weg.

Ich hatte das Glück, von einem unkonventionellen Zugang zum Eis zu profitieren, ob ich nun zwei Saisons an Bord eines wissenschaftlichen Eisbrechers auf der Antarktischen Halbinsel verbrachte oder tief beeindruckende Expeditionen erlebte, die manchmal monatelang dauerten. In meiner besonderen Beziehung zur Umwelt haben mir diese Eindrücke geholfen, sie zu meinem Vorteil zu nutzen, sowohl in Bezug auf die Landschaften als auch auf ihre Bedingungen. Es ist diese Intimität, für mich und den Betrachter, die die Erinnerung daran ein wenig länger anhalten lässt.

Während der Ausstellung in der Galerie CAMERA WORK im Jahr 2018 hast Du den renommierten Bambi-Preis gewonnen. Was hat sich seitdem geändert?
Diese Zeit in Berlin war natürlich etwas Besonderes für mich. Ich konnte eine siebenminütige Rede im deutschen Fernsehen halten, in der ich auf unser Versäumnis als Nation lenken konnte, eine sichere Zukunft unseren Kindern zu gewährleisten (und die Organisatoren der Veranstaltung haben mich nicht abgeschnitten!) und ich hatte meine erste Einzelausstellung bei CAMERA WORK in Berlin, womit ein langjähriger Traum in Erfüllung gegangen ist. Wir hatten Erfolg mit der Show und die Auszeichnung brachte ein neu gefundenes Interesse an meiner Klimaforschung und dem Thema im Allgemeinen. Der Zeitpunkt hätte nicht günstiger sein können, denn das folgende Jahr spielte eine Vorreiterrolle für die Jugendklima-Bewegung auf der ganzen Welt. 2019 ist ein Marquis-Jahr für das Klimabewusstsein, dann aber kam COVID und ließ diese Dynamik entgleisen. Tatsächlich gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Themen. Die Natur ist vor der Tür, daher ist es kaum überraschend, dass sie kommt um anzuklopfen. Ich habe ein neues Buch zu diesem Thema, das im Herbst im Rizzoli Verlag erscheint, mit dem Fokus auf die Antarktis.

Was gibst Du Deinen Kindern für die Zukunft mit?
Der COVID stärkt die Bindungen, auch zu meinen kleinen Mädchen. Es ist die Ironie des Schicksals, dass ein Lockdown mehr globale Verbindungen schafft, dank der Technologie, die eine der vielen Silberstreifen am Horizont der Pandemie ist. Aber wir sind vielleicht in einer Welt eingeschlafen und in einer anderen wieder aufgewacht, die Themen bleiben meist die gleichen: Empathie füreinander und für unsere Welt. Ich versuche, ihnen Bewusstsein und Respekt zu vermitteln für alles Lebende. Und ich möchte verdeutlichen, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Handlung und Folge gibt. Zwischen dem derzeitigen pyramidenförmigen Wirtschaftsmodell, dem irrsinnigen Streben nach ständigem Wachstum und unserer eklatanten Missachtung der Auswirkungen auf unsere Ökosysteme, fürchte ich, dass wir zu Lebzeiten meiner Kinder eine wachsende Rechnung zu erwarten haben. Meine Aufgabe ist es, sie vorzubereiten und auszubilden zu einer neuen Generation friedlicher Krieger – zur Verteidigung des Lebens.

In Deinem Leben hattest Du Expeditionen, die Dich durch Grönland, die Arktis
und Antarktis geführt haben. Dabei hast Du mehrere polare Weltrekorde aufgestellt. Deine bemerkenswerte fotografische Arbeit, die Du unter schwierigsten Bedingungen gemacht hast, hat zahlreiche Preise gewonnen. Du bist nicht nur Umweltaktivist sondern auch Autor und Dozent. Was ist nun Dein nächstes künstlerisches Projekt?
Ich habe versucht, mich von den Polen zu lösen und mich auf andere gefährdete Umwelten zu konzentrieren. Ich habe in Wüsten gearbeitet und mit dem Gedanken gespielt, tief in den Amazonas zu einzutauchen, der mir nach wie vor am Herzen liegt. Auch gibt es in den kleinen Inselstaaten im Südpazifik und in den Ozeanen viel zu dokumentieren, aber das Eis ruft mich immer wieder zurück. Und ehrlich gesagt, ist es das, wo ich mich am wohlsten fühle. Die Offenheit, die Klarheit und die Botschaft, alles hallt noch heute in mir nach, genauso wie damals, als ich es zum ersten Mal entdeckt habe. Außerdem sieht es nicht so aus, als würde ich mir meinen Traum erfüllen können, einen anderen Planeten zu betreten. Aber das Eis ist eigentlich so, als würde ich auf einem anderen Planeten sein! Außerdem habe ich fast dreißig Jahre lang Gletscherkunde studiert, und unsere Gesellschaft schätzt die Spezialisierung. Aber ich meckere nicht: Ich könnte über Fleischverarbeitungsanlagen berichten…

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